Freiräume klimaangepasst planen:
Was heute mitgedacht werden muss.
1. Was Klimaanpassung im Freiraum heute bedeutet
Wer Freiräume heute plant, muss Hitze, Starkregen, Trockenphasen und Windbelastungen mitdenken. Für Spiel-, Sport- und Aufenthaltsflächen heisst das: Sie sollen auch dann funktionieren, wenn Oberflächen sich aufheizen, Regen in kurzer Zeit fällt, Böden austrocknen oder Aufenthaltsbereiche ungeschützt im Wind liegen. Mit dem Bundes-Klimaanpassungsgesetz und der Deutschen Anpassungsstrategie 2024 ist dieser Handlungsdruck auch politisch klar benannt. Wetterextreme werden häufiger und heftiger; Anpassung soll deshalb in Planung und Umsetzung systematisch verankert werden.
2. Was sich dadurch in der Planung ändert
Für die Praxis reicht es nicht, später noch etwas Grün zu ergänzen oder einzelne Massnahmen nachzurüsten. Die Fragen müssen früh gestellt werden: Wo entsteht Schatten? Wo bleibt Wasser? Was kann versickern? Welche Materialien heizen sich stark auf? Wo braucht es Schutz vor Wind? Daraus ergibt sich, ob ein Ort im Alltag belastbar bleibt.
Das Umweltbundesamt setzt bei der kommunalen Klimaanpassung auf naturbasierte Lösungen und auf das Prinzip der Schwammstadt. Wasser soll möglichst vor Ort gehalten, versickert, verdunstet und für das Stadtklima nutzbar gemacht werden. Naturbasierte Lösungen gelten dabei ausdrücklich als multifunktional, weil sie Klimaanpassung mit Zusatznutzen für Biodiversität, Hochwasserschutz und Lebensqualität verbinden.
Was für Planende dabei wichtig ist
Klimaanpassung gehört an den Anfang eines Projekts. Dort wird festgelegt, wie eine Fläche mit Sonne, Regen, Wind und Trockenheit umgeht. Wer diese Fragen erst später stellt, arbeitet fast immer mit Kompromissen. Wer sie früh berücksichtigt, kann Nutzbarkeit, Aufenthaltsqualität und Ressourcenschonung sauber zusammenführen.
3. Was das für Spielflächen bedeutet
Für Spielflächen hat das unmittelbare Folgen. Natürliche Verschattung muss von Anfang an mitgeplant werden, weil sie darüber entscheidet, ob eine Fläche an heissen Tagen nutzbar bleibt oder gemieden wird. Bäume schaffen im Sommer Schatten, senken die Hitzebelastung auf Spiel- und Aufenthaltsbereichen und verbessern die Bedingungen für Kinder und Begleitpersonen. Im Winter verändert sich diese Verschattung durch den Laubverlust, sodass wieder mehr Licht auf die Fläche fällt. Darin liegt ein klarer Vorteil gegenüber starren Lösungen.
Auch der Umgang mit Wasser muss früh geklärt werden. Regenwasser soll nach Niederschlägen abfliessen, versickern oder zwischengespeichert werden können, damit die Fläche rasch wieder nutzbar ist und keine Schäden entstehen. Gleichzeitig kann Wasser an heissen Tagen bewusst in die Nutzung einbezogen werden, etwa über Matschangebote oder andere Spielelemente, die Abkühlung, Bewegung und sensorische Erfahrung verbinden.
Auch die Materialwahl beeinflusst, ob eine Fläche bei unterschiedlichen Wetterlagen angenehm nutzbar bleibt. Oberflächen sollten sich bei Sonneneinstrahlung nicht übermässig aufheizen, bei ausbleibender Sonne wieder zügig abkühlen und sich bei Berührung weder unangenehm heiss noch unangenehm kalt anfühlen. Gerade auf Spiel-, Sport- und Aufenthaltsflächen ist diese haptische Qualität wichtig, weil sie darüber mitentscheidet, ob Menschen einen Ort gern nutzen oder ihn meiden. Wer eine Spielfläche plant, muss Verschattung, Wasserführung, Materialwahl und sommerliche Nutzbarkeit deshalb von Beginn an zusammen betrachten.
Was daraus praktisch folgt
Ein Spielplatz braucht heute mehr als Geräte und Fallschutz. Er braucht Schatten im Sommer, Licht im Winter, Wasserführung nach Starkregen und Materialien, die sich im Gebrauch bewähren. Genau an diesen Punkten zeigt sich, ob eine Fläche im Alltag trägt oder in heissen, nassen oder windigen Phasen gemieden wird.
4. Was das für Sportflächen bedeutet
Bei Sportflächen reicht der Blick auf die eigentliche Bewegungsfläche nicht aus. Entscheidend ist, wie sich die gesamte Anlage über das Jahr hinweg bei Hitze, Starkregen, Trockenphasen, starkem Wind und im Winter verhält. Beläge können sich im Sommer stark aufheizen, an Elastizität verlieren oder in den Randzonen unangenehm werden. Im Herbst kommen nasse Oberflächen, Laub, Windbelastungen und rutschige Übergänge hinzu. Im Winter stellt sich die Frage, wie gut eine Anlage trotz Kälte, Nässe oder eingeschränkter Lichtverhältnisse nutzbar bleibt.
Gleichzeitig geht es um Wasserführung, Pflegeaufwand und Nutzungszeiten. Eine Fläche, die nur unter idealen Bedingungen funktioniert, verliert an Qualität. Für die Planung heisst das: Oberflächen, Entwässerung, Verschattung, Windschutz, Aufenthaltsbereiche und die Einbindung in Grünstrukturen müssen zusammen gedacht werden. Der bdla weist darauf hin, dass Sport, Spiel und Bewegung im urbanen Raum unter den Bedingungen des Klimawandels neu bewertet werden müssen. Dazu gehört auch, Anlagen so zu konzipieren, dass sie möglichst ganzjährig bespielbar bleiben und ihre Funktion im Alltag nicht schon bei der nächsten Wetterveränderung einbüssen.
Was für Entscheider wichtig ist
Eine Sportfläche, die Hitze und Starkregen besser verkraftet, bleibt länger nutzbar, verursacht weniger Ausfälle und lässt sich verlässlicher in den Alltag von Schulen, Vereinen und Quartieren integrieren. Wer nur die Erstinvestition betrachtet, blendet Folgekosten aus: Nutzungseinschränkungen, Nachrüstungen, höheren Pflegebedarf und die Frage, ob eine Fläche den Anforderungen in fünf oder zehn Jahren noch standhält. Klimaanpassung gehört deshalb bereits in die frühen Weichenstellungen eines Projekts, weil sich dort entscheidet, wie belastbar, nutzbar und wirtschaftlich eine Anlage auf Dauer sein wird.
5. Was das für Aufenthaltsflächen bedeutet
Für Aufenthaltsflächen ist der Zusammenhang besonders deutlich. Ein Platz, an dem Menschen sitzen, warten, lesen, essen, reden oder einfach kurz zur Ruhe kommen wollen, braucht heute andere Qualitäten als noch vor einigen Jahren. Hitze, fehlender Schatten und stark aufgeheizte Oberflächen senken die Aufenthaltsqualität schnell. Das BBSR ordnet Frei- und Grünflächen ausdrücklich als gesundheitsrelevante Faktoren ein; zu den räumlichen Einflussgrössen gehören dort unter anderem Hitze sowie die Ausstattung mit Frei- und Grünflächen.
Für die Praxis bedeutet das: Aufenthaltsflächen müssen als klimaaktive Räume verstanden werden. Es geht um Verschattung, Verdunstung, Luftbewegung, Materialwahl und die Frage, wie ein Ort auch bei hohen Temperaturen angenehm bleibt. In verdichteten Quartieren sind wohnortnahe Freiräume oft die einzigen Orte, an denen Menschen ohne Konsumzwang kurz zur Ruhe kommen, sich im Schatten aufhalten oder sich überhaupt im Freien aufhalten können.
Was das im Alltag heisst
Eine Bank in voller Sonne ist kein Aufenthaltsangebot. Ein gepflasterter Platz ohne Grün verliert an heissen Tagen an Wert. Ein guter Aufenthaltsort braucht unterschiedliche Zonen: schattige Bereiche, Stellen mit mehr Licht, geschützte Sitzmöglichkeiten, Materialien mit geringerer Aufheizung und möglichst Vegetation, die Verdunstung ermöglicht. Für viele Menschen ist das keine Komfortfrage, sondern eine Frage der Lebensqualität.
6. Warum Multifunktionalität an Bedeutung gewinnt
Ein weiterer Punkt, der für Kommunen und Planungsbüros an Gewicht gewinnt, ist die Multifunktionalität. Flächen sind knapp, Budgets begrenzt und die Anforderungen steigen. Deshalb wird heute stärker danach gefragt, welche Leistungen ein Ort gleichzeitig erbringen kann. Das UBA beschreibt naturbasierte Lösungen ausdrücklich als multifunktional.
Gemeint ist, dass eine Fläche nicht nur eine Aufgabe erfüllt, sondern mehrere Wirkungen zusammenführt: Schatten, Wasserrückhalt, Verdunstung, Biodiversität, Aufenthalt, Bewegung und Nutzbarkeit im Alltag. Das ist für öffentliche Projekte besonders relevant, weil sich damit der Mehrwert einer Fläche besser begründen lässt. Eine gut geplante Fläche kostet nicht einfach mehr, sondern leistet mehr.
7. Was das für Planende und Entscheider bedeutet
Für Planende und Entscheider liegt genau hier der praktische Nutzen. Wer Klimaanpassung früh in die Konzeption integriert, kann Zielkonflikte besser lösen und Mehrfachnutzen sauber herausarbeiten. Das betrifft zum Beispiel die Frage, ob Regenwasser auf der Fläche gehalten werden kann, ob Vegetation gleichzeitig Schatten und Orientierung bietet, ob Aufenthaltsqualität mit Biodiversität zusammen gedacht wird und wie sich Pflege, Robustheit und Nutzerkomfort miteinander verbinden lassen.
Solche Überlegungen erleichtern nicht nur die Planung. Sie verbessern auch die Entscheidungsunterlagen, weil der Nutzen einer Massnahme klarer beschrieben werden kann. Für Kommunen ist das wichtig, wenn Projekte politisch begründet, verwaltungsintern abgestimmt oder gegenüber der Öffentlichkeit erklärt werden müssen. Die Bundesstrategie und die UBA-Empfehlungen zielen genau auf diese frühe, integrierte Verankerung ab.
8. Worum es im Kern geht
Aus dieser Perspektive verändert Klimaanpassung den Qualitätsbegriff im Freiraum. Eine Fläche ist heute nicht schon dann gut, wenn sie ordentlich aussieht und formal funktioniert. Sie muss zeigen, wie sie mit Hitze, Wasser, Trockenheit und Wind umgeht. Sie muss auch im Sommer nutzbar bleiben, nach Starkregen wieder funktionieren und den Menschen Schutz, Aufenthalt, Bewegung oder Erholung ermöglichen.
Genau deshalb gehören Wohlbefinden und Ressourcenschonung in diesem Thema eng zusammen. Ein gut geplanter Freiraum entlastet Menschen im Alltag und nutzt Wasser, Vegetation, Materialien und Fläche so, dass der Ort langfristig tragfähig bleibt.
Welche Anforderungen müssen Spiel-, Sport- und Aufenthaltsflächen aus Ihrer Sicht heute erfüllen, damit sie trotz Hitze, Starkregen, Trockenphasen und Wind dauerhaft funktionieren?
Quellen und weiterführende Hinweise
Bundesumweltministerium – Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel 2024
https://www.bundesumweltministerium.de/download/deutsche-anpassungsstrategie-an-den-klimawandel-2024
Umweltbundesamt – Naturbasierte Lösungen für die kommunale Klimaanpassung
https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/naturbasierte-losungen-fur-die-kommunale
BBSR – Gesundheit in der Stadt
https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/bbsr-online/2025/bbsr-online-018-2025.html
bdla – Gesundheit, Klimaanpassung, Landschaftsarchitektur
Nächstes Thema: Wie Entscheidungsunterlagen aussehen müssen, damit Projekte intern Zustimmung finden.
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